Pockenalarm -- und das Chaos beginnt
Unter dieser Überschrift berichtet die Berliner Zeitung am 18. Januar 2005 über eine Internationale Katastrophenübung. Szenario war ein Angriff islamistischer Terroristen auf die westliche Welt mit biologischen Kampfstoffen. In Rotterdam, Frankfurt, Istanbul und München werden zeitgleich Pockeninfizierte gemeldet. "Innerhalb von wenigen Stunden heißt es, auch in Warschau, Los Angeles und New York gäbe es infizierte. Panik bricht aus. Es ist ein Horrorszenario. Politiker müssen in kürzester Zeit Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Wie reagieren sie in so einer Katastrophen-Situation? Und wie sind wir auf den Ernstfall vorbereitet?"

Um es kurz zu machen, vorbereitet sind wir auf einen solchen Angriff nicht. Durch die Mobilität erreicht ein auf Metropolen ausgeführter Anschlag in kurzer Zeit solche Dimensionen, dass man von unzähligen Opfern des Anschlages ausgehen muss, aber auch von vielen Opfern, die als Folge der Verteilungskämpfe der wenigen verfügbaren Impfmittel zu erwarten sind. Selbst Auseinandersetzungen zwischen Staaten mit Waffengewalt sind dabei nicht auszuschliessen.

Dass es sich hier um reale Gefahren und nicht um ein Video-Game handelt, kann man an der Liste der beteiligten Personen erkennen. So waren die ehemalige U.S.-Aussenministerin Madleine Albright (spielte den U.S. Präsidenten), der ehemalige britische Botschafter in Deutschland, Sir Nigel Broomfield, der frühere polnische Premier Jerzy Buzek, Bundestagsabgeordnete, der Gründer der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" und viele ex-Minister und -Regierungschefs Teil des Planspiels.

Als Fazit zitiert die Berliner Zeitung den Amerikakorrespondenten der Zeit "Für den Ernstfall ist man eher mangelhaft vorbereitet. Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Nationen sind zäh, die Fragen der Zuständigkeit der Sicherheitsbehörden in den Ländern oft ungeklärt."

Giftgasanschlag in Berlin
In der Sendung "TAG X" vom 9. Dezember 2004 spielt das ZDF (mit dem Zweiten sieht man besser) verschiedene Anschlagsszenarien durch. Neben Anschlägen mit Sprengstoff in verschiedenen Kreuzungsbahnhöfen des Berliner Personennahverkehrsnetzes (Bahnhöfe Alexanderplatz, Friedrichstrasse und Zoologischer Garten) wird ein Chlorgasanschlag am Potsdamer Platz dargestellt. Die Hinweise für Anrainer des Potsdamer Platzes und des Regierungsviertels, im Gebäude zu bleiben und die Klimaanlagen abzuschalten, zeigen einmal mehr, wie notwendig Sicherheitskonzepte für Gebäude und unterirdische Verkehrswege wären. Fragen nach der Verteilung des Chlorgases in der Umgebung und, im Falle des Eindringens, innerhalb von Gebäuden hat man sich anscheinend nicht gestellt. Sicherheitskonzepte hätten auch die Frage beantworten können, ob Lüftungsanlagen abzustellen wären und wo im Gebäude sich die dort befindlichen Personen hätten aufhalten sollen, um geringstmöglicher Gefährdung ausgesetzt zu sein.

(Foto courtesy of Mensch&Technik, II/2005)

Giftgasanschlag in Sofia fordert 40 Verletzte
berichtet die Berliner Zeitung in ihrer Ausgabe am 10. April 2004. "Bei einem Giftgasanschlag auf die Zentrale der bulgarischen Verkehrspolizei in Sofia sind am Freitag mindestens 40 Menschen verletzt worden." Die Polizei nahm bereits einen verdächtigen Mann fest. Hintergründe sowie Tathergang sind noch immer unklar.

Vagabundierende Massenvernichtungswaffen
Der amerikanische Präsident, George W. Bush, behauptet, "es liessen sich vor allem deshalb keine ABC-Waffen im Irak entdecken, weil deren Lagerstätten in den Kriegswirren geplündert worden seien" schreibt Rainer Pörtner in einem Kommentar in der Berliner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 23. Juni 2003. "Der Angriff auf den Irak hat also dazu geführt, dass Chemie- und Biowaffen nun völlig unkontrolliert durch die Welt vagabundieren!" fasst Pörtner die augenblickliche Gefahrenlage zusammen.

In der gleichen Ausgabe berichtet die Berliner Zeitung unter der Überschrift
Plünderer sollen irakische Massenvernichtungswaffen gestohlen haben
"Die US-Regierung hat eine neue Erklärung gefunden, warum die amerikanischen Suchkommandos im Irak bisher keine Spuren von Massenvernichtungswaffen finden konnten. Plünderer seien dafür verantwortlich, sagt Präsident George W. Bush am Sonnabend in seiner wöchentlichen Radio-Ansprache."

Warnung vor Anschlägen in Deutschland
Die deutschen Sicherheitsbehörden wappnen sich gegen mögliche Terroranschläge im Falle eines Irak-Krieges. "Wir bereiten uns auf solche Geschehen intensiv vor" sagte Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm. Zu rechnen sei mit Reaktionen in Deutschland lebender moslemischer Extremisten sowie Aktionen rechts- und linksextremistischer Gruppen, schreibt die Berliner Zeitung in ihrer Ausgabe vom 10. März 2003.

Aber,
Bei Giftgasanschlägen haben die Menschen keine Chance
"Sicherheitskonzepte für terrorgefährdete Gebäude unzureichend: FHTW-Professor beklagt mangelndes Problembewusstsein bei Ministerien und Katastrophenschutz" schreibt die Berliner Morgenpost in ihrer Ausgabe vom 2. Dezember 2002. Auch Die Welt greift dieses Thema am gleichen Tag unter dem Titel "Konzepte für terrorgefährdete Gebäude reichen nicht aus" auf. "In ganz Deutschland ist nur eine Handvoll terrorgefährdeter Gebäude sicher".

Am 11. Mai 2002 berichtet die Berliner Zeitung unter der Überschrift
Reichstag nach Chemie-Alarm geschlossen
"Das Reichtagsgebäude ist am Freitag nach einem Zwischenfall vorübergehend geschlossen worden. Zwei Männer wurden mit Chemikalien in einer Toilette des Gebäudes vorläufig festgenommen, wie ein Sprecher des Bundestages sagte. Das Haus wurde mit Spürhunden durchsucht. Die beiden Männer hätten sich als Journalisten einer Zeitschrift ausgegeben. Bei der Festnahme wurde Salpeter, Salz und Aktiv-Kohle entdeckt."

Giftgas Anschlag auf EU-Gipfel in Nizza?
"Staatspräsident Chirac mußte mehrfach niesen. Premier Jospin rieb sich die geröteten Augen. So empfingen die beiden französischen Gastgeber am Donnerstagmorgen ihre EU-Kollegen im Palais Acropolis von Nizza zum wichtigsten europäischen Gipfel des Jahrzehnts", schreibt die Lingener Tagespost in ihrer Ausgabe am 8. Dezember 2000. "Tränengas, das die Polizei auf gewalttätige Demonstranten abgeschossen hatte, war in das Lüftungssystem eingedrungen. Die Folgen bekamen die Gäste zu spüren."

EU- Regierungschefs im "Friendly Fire" der Polizei
fehlendes oder mangelhaftes Sicherheitskonzept rächt sich.

Unter der Rubrik 'Analyse' schreibt Hans-Jochen Kaffsack am 8. Dezember 2000 im Gießener Anzeiger "Etwa 4000 wild entschlossenen Demonstranten und unkontrollierte Elemente machte die Polizei aus. In dem Eifer, die Belagerer des Konferenz-Palastes Acropolis von den Staats- und Regierungschefs fern zu halten, wurde reichlich Tränengas eingesetzt. Gerötete Augen und gereizte Schleimhäute zogen sich auch die Gastgeber zu: Tränengas drang durch Schächte bis zu Frankreichs Präsident Jaques Chirac und seinem Premierminister Lionel Jospin."

 

Eine erste Zusammenfassung von Pressestimmen zum Thema "Giftgas-Anschläge":

 

Giftgas-Anschlag auf U-Bahn
„Wegen eines tödlichen Giftgasanschlags auf die Tokioter U-Bahn ist ein führendes Mitglied der japanischen Aum-Sekte am Donnerstag zum Tode verurteilt worden", schreibt Der Tagesspiegel in seiner Ausgabe vom 30. Juni 2000. Das Mitglied der Sekte wurde vom Gericht für schuldig befunden, bei einem Anschlag im März 1995 das Giftgas Sarin in einer U-Bahn freigestzt zu haben. Der 42-jährige Yasuo Hayashi habe Plastiktüten mit dem Giftgas in einem U-Bahnwagen deponiert und das Gas dort freigesetzt. Ihm wird vorgeworfen, den Tod von acht der zwölf Opfer verursacht zu haben. Er ist bereits das zweite Sektenmitglied, das zum Tode durch den Strang verurteilt wurde. Ein weiteres Mitglied, ein 51 jähriger Arzt, erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

Polizeischutz für Athleten
Hundertschaften von Polizeibeamten wurden im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Nagano mobil gemacht, um die Sicherheit der 2400 Athleten aus 72 Nationen und der teils kaiserlichen Gäste zu gewährleisten. Kein Wunder, daß die japanische Polizei 1998 die Wettkampfstätten in Nakano streng kontrollierte. Schließlich waren bereits in 1994 sieben und 1995 zwölf Menschen bei je einem Giftgas-Attentat der Aum Sekte getötet worden.

„Gegen Giftgas-Terror ist Deutschland schlecht gerüstet"
schreibt die Tageszeitung Die Welt in ihrer Ausgabe vom 11. Juli 2000. „Die Dokumente tragen den Stempel ‚streng geheim'. Sie lagern hinter dicken Tresorwänden und gehören zu den best gehütesten Staatsgeheimnissen der Bundesrepublik". Der mit biologischen oder chemischen Waffen geführte Terroristenangriff „wird von der Regierung und Sicherheitsbehörden zwar mehr gefürchtet als jede andere Bedrohung der inneren Sicherheit Deutschlands, doch Konsequenzen daraus wurden bislang nicht gezogen" schreibt Die Welt.

Dem Frankfurter Friedensforscher und Politwissenschaftler Harald Müller, der als geschäftsführendes Vorstandsmitglied an der Spitze der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung steht, bereitet die große Zahl unberechenbarer und chaotischer Risikoszenarien Sorge. „Seit Tokio lebe die Welt in einem neuen Zeitalter terroristischer Bedohung". Er „hält es nicht für ausgeschlossen, daß Terroristen chemische oder biologische Waffen einsetzen könnten".

Die Welt führt weiter aus, daß zwar „die Bundeswehr und private Forschungsinstitute schon seit einigen Jahren unter höchster Geheimhaltung an Abwehr- und Entgiftungsprogrammen sowie an der Entwicklung hochempfindlicher Kampfstoffspürgeräte" arbeiten. „Doch der Zivilschutz, so die Klage des Friedensforschers Harald Müller, ignoriere das Terroristenrisiko nach wie vor. Die wissenschaftlichen Anstrengungen richten sich hauptsächlich auf militärische Aspekte, nicht aber darauf, was im Fall eines Terrorangriffs zum Schutz der Bevölkerung getan werden müßte".

Unter dem Titel
„Der Stoff, aus dem die Alpträume sind"
beschreibt Die Welt am 21. Februar 1998 die Angst der USA, die Anschläge von Tokio könnten Nachahmer finden. „Darüber hinaus glauben viele Amerikaner in diesen Tagen, der Konflikt mit dem Irak könnte zu Angriffen mit bakteriellen Waffen führen. Daß nun (ausgerechnet) zwei US-Bürger in krimineller Weise mit dem Milzbranderreger experimentiert haben sollen, scheint nahtlos ins Schreckenszenario zu passen".

Die Welt weiter: „Die Spur des Bakteriums Bacillus Anthracis führt von Las Vegas nach Frankfurt am Main. Das amerikanische FBI vermutet, eine rechtsextremistische und rassistische Gruppe habe Anschläge mit dem Kampfstoff Anthrax vorbereitet. Die Frankfurter Polizei recherchiert, nachdem einer der beiden verhafteten Männer ausgesagt hat, er besitze auch ein Labor in Deutschland".

Einer der beiden Festgenommenen, Larry Wayne Harris, ist Autor des Handbuches „Bacteriological Warfare - A Major Threat to North America", das als „Anleitung zur Herstellung bakteriologischer Waffen genutzt werden kann". Er soll bei seiner Vernehmung gedroht haben, „Freunde bei der ‚Arischen Nation' würden notfalls Biowaffen gegen Vertreter der US-Regierung einsetzen", schreibt Die Welt.

Opernball
Am gleichen Tag, an dem sich Die Welt mit dem Anthraxvorfall in den USA beschäftigt, widmet sich Der Tagesspiegel einer rauschenden Ballnacht (fast) ohne Stars. Es geht, wie im Februar nicht anders zu erwarten, um den ‚Wiener Opernball'. Da das Gesellschaftsereignis „ohne wesentliche Zwischenfälle über die Opernbühne ging, steht nun auch der Premiere des Films ‚Opernball' nichts mehr im Wege. In dem Streifen nach einem Roman des österreichischen Schriftstellers Josef Haslinger geht es um den Massenmord an den Opernball-Gästen durch eine Politsekte, die Giftgas in die Belüftungsschächte der Staatsoper leitet".

Daß sich Wissenschaftler in den USA seit Jahren mit der Ausbreitung von Schadstoffen in Gebäuden und den Möglichkeiten der Penetration der Gebäudehülle beschäftigen, hat weniger mit dem Opernball zu tun, als damit, daß nicht nur (aber auch!) Opernhäuser Ziel eines Anschlages werden könnten.

Skyline von Mainhattan: bevorzugte Ziele von Terroristen
sind Orte, wo sich viele Menschen aufhalten. Im Falle
eines Anschlages auf eines dieser Hochhäuser wären
tausende von Menschen gefährdet

In unserem Fact Sheet vom April 2000 hatten wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorhersage und Einschränkung der Ausbreitung von luftgetragenen Giftstoffen innerhalb eines Gebäudes durch gebäudespezifische Sicherheitskonzepte erarbeitet werden muß.

Ziel eines optimalen Sicherheitskonzeptes ist es, durch geeignete Maßnahmen die Gefahr einer Penetration der Außenhülle des Gebäudes durch Schadstoffe zu verringern, durch bautechnische sowie regel- und anlagentechnische Maßnahmen die Ausbreitung der Giftstoffe innerhalb von Gebäuden für alle denkbaren Szenarien zu verhindern oder wenigstens einzuschränken, sowie Anleitungen zu erarbeiten, die den Einsatzkräften im Katastrophenfall helfen, Entscheidungen bezüglich der Evakuierung und der Betriebsbedingungen von Gebäuden vor Ort zu treffen.

 

Für weitere Informationen und eine Gefahrenanalyse Ihres Gebäudes vereinbaren Sie bitte einen Gesprächstermin:

Prof. Dr.-Ing. Helmut E. Feustel

e-mail:

zu den Sicherheitskonzepten

zurück zur Seitenübersicht

 

Die Seite wurde am 30. Mai 2018 von hef geändert.

 

Impressum

Hinweis auf unseren Datenschutz gemäß DSGVO